
Da unser Heft nur alle halbe Jahre erscheint, einige unserer Autoren aber vor schöpferischer Kraft und Mitteilungsdrang schier platzen, haben wir die BiS-Files eingerichtet, wo die Autoren alles kundtun können, was ihnen gerade durch den Kopf geht - ja, man könnte sagen, daß die BiS-Files so eine Art Ur-Blog sind, entstanden in einer Zeit, als es das Wort "Blog" noch gar nicht gab.
Im Moment geben sich hier die Ehre unsere Schreiber Brachland, Bös, Der leere Eimer, Elffriede, Heyoka, Kasimira und Z.
Hier sind alle Einträge vom 22.07.2010 bis zum 01.09.2010. [Ältere Einträge]
Der große Fortsetzungsroman
_111. Die Nebelspirale
Der Anfang ist der Anfang vom Ende. Du stehst auf einem Platz oder Bahnhof, umschwirrt von zielbewusst scheinenden Ameisen. Du stehst da und fühlst dich deiner selbst nicht sicher. Du hast weder Gott noch dich selbst. Deine Augen irren umher, sie weichen Blicken aus, sie können sich an nichts und niemanden festhalten. In deinen Ohren lärmt die Stadt. Du übergibst dich ständig, Tag und Nacht, und auch deine Blase hast du nicht im Griff.
Und wenn du in deinen immer enger werdenden vier Wänden bist, in deinen immer wiederkehrenden vier Wänden, dann weißt du, dass du nicht mehr aus ihnen herausfinden wirst.
Du bist auf der Flucht, du fliehst vor dir und den andern, vor denen, die dir den Spiegel, deinen Spiegel, vorhalten. Du willst das, was du darin siehst, nicht sein. Du willst nicht sein, was du bist.
Und so geht sie weiter und weiter, die Flucht vor dir selbst, immer schneller und schneller, und immer im Kreis.
Und jetzt, jetzt sitzt du in der Falle. Du sitzt in deinem eigenen Gefängnis und jammerst und heulst und zerfrisst dir das Gehirn. Und am Ende der Spirale leuchtet es in deiner dunklen Seele in großen, bunten Lettern auf: Heroin.
Straßenschau
Nicht neu ist es, dass eine Menge Leute nichts mehr dabei finden, mit ihren zum Teil recht intimen Daten um sich zu werfen - ob bei Facebook, Flickr, StudiVZ, über die "Payback"-Karte oder über Gewinnspiele.
Bemerkenswert ist aber, wenn diese Leute nun plötzlich auf die Barrikaden gehen, wenn ein Unternehmen die Fassaden ihrer Häuser knipst ...
Gewissensbisse
Ich hätte es nicht tun dürfen. Ich hätte, hätte, hätte es wirklich nicht tun dürfen! *Ein* schwacher Moment, *eine* Minute der Selbstvergessenheit - und schon war es geschehen.
Ich habe Schuld auf mich geladen.
Ich habe unrecht getan.
Ich habe gespendet.
Als böser Atheist.
Der große Fortsetzungsroman
_110. Der Mitläufer
Als diese Nietengürtel aufkamen, die, die lediglich dem Zweck dienten schön auszusehen, als dieser Schnickschnack in Mode kam, da kaufte auch er einen.
Später ging es mit den teuren, aber hässlichen Polohemden weiter, und er, er war dabei, auch dann, als es galt, Fremdenheime und Fremde anzustecken. Eines Nachts jedoch fingen ihn Polizisten ein. Sie rissen ihn aus der Geborgenheit seiner Gruppe heraus, sie nahmen ihm den Zusammenhalt. Nun sitzt er ganz allein in einer Zelle und wartet auf seinen Prozess: Totschlag. Und er heult Tag und Nacht, und es tut ihm alles so leid, und das war doch alles nicht so gemeint...
Bastian Balthasar Bux
Es stimmt: immer wenn etwas aufhört, fängt wieder etwas Neues an. Und wenn man sich etwas wünscht, bewegt man sich darauf zu oder nicht. Aber Bewegung ist da. Und wenn man sich nichts wünscht: es gibt auch langweilige Geschichten.
Fazit: Alles ist wahr
Der große Fortsetzungsroman
_109. Die Auszeichnung
Stehmut Dürrwitz strahlte wie Quecksilberdampflampen im Kuhstall. Stehmut Dürrwitz stand stramm, er stand im Festsaal des Kartoffelkulturamts. Seine Führer konnten mit ihm rechnen, er funktionierte wie ein Lichtschalter. Da kamen keine Zweifel, keine zwei Meinungen auf, auch nicht unter Seinesgleichen. Der Name Stehmut Dürrwitz stand für Zucht und Ordnung, für Aufopferung, Pflichterfüllung und Treue.
Als ihm der Kartoffelminister, Seine Steifhaltigkeit Dr. Flottholz, auszeichnete, als er ihm ein Metallkreuz an die Brust heftete, klatschten die Blitzlichter vieler Journalisten. Am nächsten Morgen würde Stehmut Lokalnachrichtenheld sein. Frau Dürrwitz, Stehmuts Mutter, konnte ihre Rührung nicht länger unterdrücken: ?Was werden die Nachbarn staunen!?
Später stand Stehmut allein. Dann verließ er das Kartoffelkulturamt, er lief zur Bushaltestelle über die Straße. Plötzlich brüllten Bremsen, Autoreifen markierten Striche auf der Fahrbahn. Und Stehmut Dürrwitz starb auf dem Weg ins Siechenhaus.
Ein Umbruch
Im Kontor herrschte heute morgen große Trauer. Als ich beschwingten Schrittes und unter frohem Lupfen meines Hutes um punkt 6.25 Uhr die Schreibstube betrat, dem Laufburschen eine milde Kopfnuss verabreichte, meine rindslederne Aktentasche auf mein Schreibpult knallte, dass die Butterbrotdose darin schepperte, und den Hut mit elegantem Schwung auf den Kaminsims schleuderte - als ich, kurz gesagt, mich anschickte, einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag zu beginnen, fiel es mir plötzlich auf.
Wo sonst die Tastaturen klappern, Stubenhockerlungen rasseln und Bürokratengelenke quietschen, wo Kunden und Dienstboten und Geschäftspartner umherhasten und gestikulieren, wo Männer mit roten Gesichtern von Dreiecksgeschäften mit Fußleisten und Gummipfropfen, von komplizierten Transaktionen über Mittelsmänner in Feuerland und Usbekistan und von kiloschweren Aktienkäufen schreien - dort herrschte heute morgen eine trübe Stille.
Ich versuchte es noch mit einem Witz über einen Schaffner mit defekter Knipszange und einen Mathematiker, die beide von einer Blondine in einem Opel Manta nach Emden chauffiert werden, doch noch ehe ich zur Pointe gelangen konnte, flüsterte mir mein Schreibpultnachbar die schreckliche Nachricht ins Ohr, und ich verstummte augenblicklich.
Unser abenteuerliches Kontorleben war Vergangenheit, wie mir mit bleiernem Grausen klar wurde.
Denn seit heute morgen ist, so hat es die Regierung beschlossen, Sozialismus.
Nur Trickfilme
Der beste Kommentar, den ich bislang überhaupt zum sogenannten "Karikaturenstreit" gehört (und gesehen) habe, ist die Folge "Cartoon Wars" von "South Park".
"South Park" sollte endlich Lehrstoff an unseren Schulen werden und meinetwegen den Religionsunterricht ersetzen. Damit wären wir Humboldt und dem Ideal der Aufklärung wieder deutlich näher. Außerdem würden dann vielleicht wenigstens die nachfolgenden Generationen lernen, sich selbst nicht so wichtig und alles so ernst-pathetisch zu nehmen.
Aber wie auch immer - "South Park" is' ja eh nur ein Trickfilm, Kinderkram ...
